Knochenmarkentzündung, Knochenkrebs, Knochenmetastasen
Knochenmetastasen
Knochenmetastasen (Skelettmetastasen): Absiedlungen, (Metastasen) von bösartigen Tumoren anderer Organe im Knochen. Metastasen sind mit Abstand die häufigsten Knochentumoren, v. a. bei älteren Menschen. In über 80 % der Fälle befindet sich der streuende Tumor (Primärtumor) in der weiblichen Brust, in der Prostata, Lunge, Niere oder Schilddrüse. Abhängig von den Beschwerden ist die Therapie konservativ (z. B. mit Medikamenten, Bestrahlung) oder operativ. Ziel ist meist nicht die Heilung, sondern die Verbesserung der Lebensqualität.
Leitbeschwerden
- Lokalisierte Schmerzen über längere Zeit
- Manchmal sichtbare oder tastbare Verdickungen des Knochens
- Knochenbrüche ohne Unfall bzw. ohne wesentliche Gewalteinwirkung
- Manchmal Funktionseinschränkungen
- Schwäche, Kraftlosigkeit, Nachtschweiß.
Wann zum Arzt
In den nächsten Tagen bei allen unklaren Schwellungen, nach einer früheren Krebserkrankung und neu auftretenden Funktionseinschränkungen und Schmerzen am Bewegungsapparat, die länger als 3 Tage dauern.
Die Erkrankung
Knochenmetastasen kommen 25-mal häufiger vor als bösartige Tumoren, die direkt vom Knochengewebe abstammen (Knochentumor). Sie sind ein ausgesprochenes Spätsymptom und Zeichen einer Generalisierung der Tumorerkrankung. Die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung hängt davon ab, in welchem Organ und in welchem Stadium sich der Primärtumor befindet. Die Abbildung fasst Häufigkeitsangaben aus der Fachliteratur zusammen.
Metastasen befallen meistens das Achsenskelett, also Wirbelsäule, Becken und Rippen, manchmal den Schädelknochen, jedoch nur selten die Röhrenknochen der Gliedmaßen. Sie führen dort zur Neubildung von knochenähnlichem Gewebe (osteoblastische Metastasen) und/oder zur Zerstörung gesunder Knochenstrukturen (osteoklastische Metastasen). Die befallenen Knochen verlieren zunehmend ihre Festigkeit und werden schließlich oft so instabil, dass sie auch bei kleinen Belastungen oder sogar ohne äußeren Anlass brechen. Solche pathologischen Frakturen betreffen besonders häufig die Wirbel. Metastasen in der Wirbelsäule üben auch häufig Druck auf das Rückenmark aus und führen dann zu neurologischen Beschwerden von Nervenschmerzen, Gefühlsstörungen oder Lähmungen bis hin zur vollständigen Querschnittlähmung.
Das macht der Arzt
Diagnosesicherung. Treten bei einer bekannten Tumorerkrankung orthopädische oder neurologische Beschwerden auf, klärt der Arzt durch radiologische Untersuchungen, ob Knochenmetastasen dafür verantwortlich sind. Oft zeigen bereits Röntgenaufnahmen die charakteristischen Veränderungen; bei Beschwerden an Wirbelsäule und Becken und auch in unklaren Situationen bringen CT oder Kernspin weitere Informationen. Eine Knochenszintigrafie macht Knochenmetastasen sichtbar, die (noch) keine Beschwerden verursachen. Bei Primärtumoren, die zu Metastasen im Skelettsystem neigen, gehört diese Untersuchung deshalb zum Standardprogramm, sowohl bei neu entdeckten Erkrankungen als auch eventuell bei Nachsorgeterminen, z. B. um einen erneuten Anstieg von Tumormarkern abzuklären. Gelegentlich sind Knochenmetastasen der erste Hinweis auf eine unentdeckte Tumorerkrankung. In diesem Fall hilft eine Gewebeentnahme (Biopsie) aus dem Knochenherd, um den Typ und das Organ des Primärtumors zu ermitteln.
Therapie. Knochenmetastasen sind ein Spätsymptom von Tumorerkrankungen in einem meist nicht mehr heilbaren Stadium. Die Therapie ist deshalb vorwiegend palliativ, dient also der Linderung von Beschwerden, Verbesserung der Lebensqualität und Verhütung von Komplikationen, z. B. palliative Bestrahlung. Bei einzelnen Knochenmetastasen von Schilddrüsen- oder Nierentumoren ist es allerdings manchmal möglich, durch Entfernung des Knochenherds die Heilungschancen zu verbessern, wenn der Primärtumor besiegt ist.
Zur palliativen Therapie gehört eine differenzierte Behandlung mit Schmerzmitteln, im Bedarfsfall und abhängig vom Primärtumor ergänzt durch Bestrahlungen, Chemo- und Hormontherapie. Gelegentlich entscheiden sich Ärzte für einen künstlichen Verschluss (Embolisation) von Tumorgefäßen, um die Knochenmetastasen „auszuhungern“. Diese Maßnahme ist manchmal auch zur Vorbereitung einer Operation angebracht. Eine operative Behandlung ist erforderlich, wenn Schmerzen und neurologische Beschwerden mit konservativen Maßnahmen nicht erfolgreich zu behandeln sind, wenn Knochenbrüche (pathologische Frakturen) drohen oder wenn diese bereits eingetreten sind. An Hüfte und Knie setzen die Ärzte nach der Ausräumung von Metastasen oft spezielle Implantate, Tumorendoprothesen ein, um den entstandenen Defekt zu überbrücken und die Mobilität des Patienten zu erhalten. Bei Befall von Wirbelkörpern kommen verschiedene Operationsmethoden in Betracht, um die Wirbelsäule zu stabilisieren; oft reicht es aus, den Defekt mit Knochenzement aufzufüllen. Auch bereits eingetretene Lähmungen lassen sich eventuell rückgängig machen, wenn eine Operation innerhalb von sechs Stunden das bedrängte Rückenmark entlastet.
Knochentumoren
Knochentumoren: Neubildungen im Knochen, die vor allem während des Wachstums auftreten. Bösartige Knochentumoren (Knochenkrebs) sind sehr selten, pro Jahr gibt es in Deutschland nur etwa 700–800 Neuerkrankungen. Sie sind oft schmerzhaft, besonders nachts und bei Belastung. Gutartige Knochentumoren sind 100-mal häufiger als bösartige. Oft sind sie nur Zufallsbefunde, da sie meist keine Beschwerden verursachen. Behandelt werden sie nur, wenn sie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen verursachen. Oft bilden sie sich von selbst zurück. Bösartige Knochentumoren erfordern je nach Typ und Ausbreitung eine Behandlung durch Operation, Chemotherapie und/oder Bestrahlung. Abhängig von der Krebsart überleben ca.50 bis 80 Prozent der Betroffenen die ersten 5 Jahre nach Diagnosestellung, sofern sich noch keine Metastasen gebildet haben.
Symptome und Leitbeschwerden
- Leichte bis sehr starke Knochenschmerzen über Wochen oder Monate, vor allem nachts und bei Belastung
- Tastbare Verdickungen eines Knochens
- Sichtbare Schwellungen und Bewegungs- und Funktionseinschränkungen an den Gliedmaßen
- Selten plötzliche Knochenbrüche ohne wesentliche Gewalteinwirkung
- Bei bösartigen Tumoren eventuell Allgemeinsymptome wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit.
Wann in die Arztpraxis
In den nächsten Tagen bei allen unklaren Schwellungen oder Funktionseinschränkungen und Schmerzen am Bewegungsapparat, die länger als 3 Tage anhalten.
Am selben Tag bei Knochenschmerzen mit Fieber.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Der Knochenstoffwechsel ist ein komplexer Prozess, bei dem das Gewebe ständig ab-, auf- und umgebaut wird. Dabei kann sich das Erbgut spontan verändern. Dann können sich die Zellen unkontrolliert vermehren und einen Tumor wachsen lassen. Im Wachstum entwickeln sich die Knochen sehr stark und die Zellen teilen sich besonders oft. Deshalb treten Knochentumoren in den meisten Fällen bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf. Aber auch ältere Erwachsene können betroffen sein. Bei ihnen ist es jedoch wesentlich wahrscheinlicher, dass es sich um Knochenmetastasen handelt, statt um einen ursprünglich im Knochen entstandenen Tumor.
Ursachen und Risikofaktoren
Es gibt keine speziellen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen, die die Tumorbildung begünstigen. Manchmal entsteht in den Medien der Eindruck, dass Sportler*innen häufiger von Knochentumoren betroffen sind. Das liegt daran, dass sie sich häufiger verletzen und dadurch bei ihnen öfter Röntgen- und MRT-Untersuchungen durchgeführt werden. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Tumor zufällig zu entdecken. Außerdem treiben Jugendliche und junge Erwachsene häufiger und intensiver Sport als ältere Menschen, was die Wahrnehmung ebenfalls verzerrt.
Am häufigsten findet man Knochentumoren an den Ober- und Unterschenkelknochen, seltener am Becken und an der Wirbelsäule. Warum gerade diese Knochen betroffen sind, ist ebenfalls ungeklärt.
Einteilung der Knochentumoren
Unterteilt werden Knochenveränderungen in bösartige und gutartige Knochentumoren. Zu den letzteren zählt man meist auch tumorähnliche Knochenerkrankungen wie Knochenzysten, die ebenfalls gutartig sind. Zu den häufigsten gutartigen Knochenveränderungen gehören:
- Osteochondrom (Kartilaginäre Exostose): Dies ist der häufigste gutartige Knochentumor. Er tritt meist zwischen dem 10. bis 20 Lebensjahr auf, vorrangig an den langen Röhrenknochen, v. a. am Knie. Das Osteochondrom zeigt sich als knorpelig überzogene tropfen- oder blumenkohlartige Knochenauswüchse. Manchmal wird es faustgroß, verursacht Schmerzen und Knochenverformungen und beeinträchtigt die Bewegung und das Längenwachstum der Knochen. Dann muss es operativ entfernt werden. Tritt es mehrfach auf, ist die Ursache oft eine erbliche Erkrankung. In diesem Fall ist auch mit einer – allerdings seltenen – bösartigen Entartung zu rechnen.
- Nichtossifizierendes Fibrom (Fibröser Kortikalisdefekt): Dies ist eine recht häufige Wachstumsstörung der äußeren Knochenschicht (Kortikalis) im Bereich langer Röhrenknochen, meist im Ober- und Unterschenkel oder Oberarm. Die Veränderung macht nur selten Beschwerden und wächst sich meist folgenlos aus.
- Juvenile Knochenzyste: Dabei handelt es sich um flüssigkeitsgefüllte, von einer Membran umgebene Zysten, die vor allem zwischen dem 10. und 20. Lebensjahr auftreten. Sie finden sich häufig nahe der Wachstumsfuge im schulternahen Oberarmknochen oder im hüftnahen Oberschenkel. Oft verraten sie sich durch spontane Brüche des befallenen Knochens, da sie das Knochengewebe zunehmend verdrängen und auf diese Weise Sollbruchstellen entstehen. Sie sind meist nicht schmerzhaft, deshalb werden sie oft auch nur zufällig entdeckt. Größere Zysten werden dann operativ entfernt.
- Enchondrom: Dieser Tumor wächst im Knocheninneren aus dem Knorpelgewebe und befällt hauptsächlich die Hände, seltener die langen Röhrenknochen oder das Becken. Die meist schmerzlosen Tumoren treten häufig im jüngeren Erwachsenenalter auf. Enchondrome können bösartig werden, insbesondere dann, wenn sie in der Nähe des Körperstamms liegen. Die Tumoren werden durch Röntgenaufnahmen überwacht. Wenn sie schmerzhaft werden oder sich immer weiter vergrößern, müssen sie operativ entfernt werden.
- Osteoidosteom: Hierbei handelt es sich um einen meist nur sehr kleinen Tumor in der äußeren Schicht von Röhrenknochen, manchmal auch in Wirbeln. Typisch ist ein starker nächtlicher Schmerz, der nach der Einnahme von Acetylsalicylsäure (Aspirin®) rasch nachlässt.
- Osteoklastom (Riesenzelltumor): Dies ist ein halb bösartiger Tumor. Im Gegensatz zu gutartigen Neubildungen wächst er nicht verdrängend, sondern zerstört bei seiner Ausbreitung benachbartes Gewebe. Er bildet nur selten Metastasen, was ihn von bösartigen Tumoren unterscheidet. Meist tritt er nach Abschluss des Wachstums auf, vorrangig an den Enden der langen Röhrenknochen, vor allem am Knie. Oft verursacht er Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Wird er operativ entfernt, kehrt er häufig wieder zurück.
Bösartige Knochentumoren sind sehr selten. Die wichtigsten Beispiele sind:
- Osteosarkom: Der häufigste maligne Knochentumor betrifft meist die Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren sowie die über 60-Jährigen. Er tritt in der Hälfte der Fälle knienah im Oberschenkelknochen oder im Schienbein auf. Der Tumor streut frühzeitig Metastasen, vor allem in die Lunge. Schmerzen treten anfangs oft unregelmäßig und nur belastungsabhängig auf und werden oft als Überlastung fehlgedeutet. Später kommt es auch in Ruhe zu Schmerzen, vor allem nachts. Mit einer Kombinationstherapie aus Operation und Chemotherapie können zwei Drittel der Betroffenen ohne Metastasen geheilt werden. Früher waren oft Amputationen nötig. Heute ist es dank moderner Operationsverfahren oft möglich, die betroffene Gliedmaße zu erhalten. Auch die Behandlungsaussichten für Betroffene mit Metastasen hat sich gebessert. Nach Entfernung der Lungenmetastasen liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei nahezu 50 %.
- Ewing-Sarkom: Dies ist der bösartigste aller Knochentumoren. Er befällt meistens Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren. Betroffen sind vorwiegend die langen Röhrenknochen, seltener Becken und Rippen. Die Erkrankung verursacht oft Schmerzen und Schwellungen, manchmal auch Fieber. Deshalb lässt sie sich leicht mit einer 25m45|Osteomyelitis verwechseln, die ähnliche Entzündungszeichen verursacht. Mit einer Kombinationstherapie aus Operation, Chemotherapie und Bestrahlung werden 5-Jahres-Überlebensraten von 65 % erreicht. Hat der Tumor bereits Metastasen in die Lunge gestreut, überleben nur 25 % der Betroffenen.
- Chondrosarkom: Das Chrondrosarkom ist der zweithäufigste bösartige Knochentumor. Er entsteht erst im Erwachsenenalter (50–70 Jahre) und befällt vorwiegend Becken, Oberschenkelknochen und Schultern. Oft verursacht er erst spät Beschwerden wie lokale Schwellungen und Schmerzen. Typischerweise wächst es langsam und streut seltener als andere Krebsarten, aber die Behandlung ist schwieriger. Weil der Tumor nicht auf Chemotherapie und Bestrahlung anspricht, muss er vollständig operativ entfernt werden. Bleiben Tumorzellen zurück, wächst der Tumor meist weiter. Je nach Entwicklung und Ausbreitung des Tumors liegt die 10-Jahres-Überlebensrate zwischen 15 % und 80 %.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Gutartige Knochentumoren verursachen häufig keine Beschwerden. Im fortgeschrittenen Verlauf zeigen sich manchmal unspezifische Symptome wie Schmerzen oder Schwellungen. Manchmal fühlt sich der betroffene Knochen verdickt an. Liegt der Tumor in Gelenknähe schwillt manchmal auch das Gelenk an. Je nach Lage und Größe des Tumors kann er die Beweglichkeit der betroffenen Gliedmaße stören. Oft fällt ein gutartiger Tumor erst auf, wenn er zufällig im Röntgenbild entdeckt wird oder wenn er das gesunde Knochengewebe so weit geschwächt hat, dass es zu einem spontanen Knochenbruch kommt.
Bösartige Knochentumoren sind häufig schmerzhaft. Anfangs können die Schmerzen schwach sein und nur phasenweise und bei Belastung auftreten. Im Erkrankungsverlauf sind sehr starke Schmerzen möglich, die die Bewegungsfähigkeit deutlich einschränken. Sie bessern sich später auch in Ruhe nicht mehr und belasten die Betroffenen vor allem nachts.
Wie die gutartigen Knochentumoren können auch die bösartigen den Knochen verdicken und sichtbare Schwellungen auslösen. Manchmal lassen sie auch den Knochen plötzlich brechen. Das ist aber seltener der Fall als bei gutartigen Knochentumoren, weil bösartige Tumoren öfter und stärkere Beschwerden auslösen und daher meist nicht erst bei einem Knochenbruch entdeckt werden.
Bösartige Knochentumoren verursachen manchmal auch Allgemeinbeschwerden wie Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit.
Diagnosesicherung
Bei hartnäckigen Schmerzen im Bewegungsapparat, v. a. wenn sie einseitig und vorrangig nachts auftreten, besteht immer der Verdacht auf einen Knochentumor. Um den Verdacht zu bestätigen, ist umfangreiche Diagnostik notwendig. Diese besteht zuallererst in einer Röntgenaufnahme. Ergibt diese Hinweise, dass es sich um einen bösartigen Tumor handeln könnte, bringt eine MRT-Untersuchung weitere Informationen. Eine Angiografie klärt die Blutversorgung, eine Skelettszintigrafie zeigt, ob es mehrere Herde in den Knochen gibt. Letztendliche Sicherheit bringt dann eine Biopsie, also die Entnahme eines kleinen Knochenstücks zur mikroskopischen Untersuchung. Die feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop ist auch für die Therapieplanung wichtig.
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Differenzialdiagnosen. Neben Knochentumoren gibt es zahlreiche weitere Erkrankungen, die knöcherne Veränderungen und lokale Schwellungen auslösen können. Hierzu zählen z. B. entzündliche Erkrankungen wie Osteomyelitis, Myositis ossificans, Rheuma und Gicht. Auch andere Tumoren und tumorähnliche Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen, z. B. Tumoren des Weichgewebes in der Knochenumgebung und die Langerhans-Zell-Histiozytose, bei der bestimmte Zellen – die Histiozyten – unter anderem im Bereich der Knochen wuchern können. Nicht zuletzt kann es sich um Knochenmetastasen handeln, also um Absiedlungen bösartiger Tumoren anderer Organe, z. B. in der Brust, Lunge oder Niere.
Behandlung
Gutartige Knochentumoren benötigen meist keine Behandlung – solange sie nicht stören und die Tragefunktion des Knochens unbehelligt lassen. Oft bilden sie sich im Laufe des Wachstums von selbst wieder zurück. Bei Brüchen des geschwächten Knochens oder bei Beteiligung von Wachstumsfugen oder Gelenken ist jedoch oft eine Operation erforderlich, ebenso wenn es zu Schmerzen oder Funktionsstörungen des betroffenen Körperteils kommt. Dabei räumt die Chirurg*in den Tumor aus und füllt größere Defekte mit Knochenspänen auf, die dem Beckenknochen entnommen werden.
Die Behandlung von bösartigen Knochentumoren richtet sich nach dem Typ und der Ausbreitung der Erkrankung. Kernpunkt ist in der Regel die Operation. Sie strebt eine möglichst vollständige Entfernung des bösartigen Gewebes an. Gleichzeitig wird versucht, die Funktion des Körperteils zu erhalten. Nicht vermeidbare größere Defekte lassen sich mit körpereigenem Knochengewebe oder speziellen Tumorendoprothesen überbrücken. Patient*innen mit Osteosarkom und Ewing-Sarkom erhalten zusätzlich eine hoch dosierte Chemotherapie vor und gelegentlich auch nach der Operation. Eine Bestrahlung ist wirksam als Begleittherapie, selten auch als alleinige Behandlung, insbesondere bei Ewing-Sarkomen.
Prognose
Gutartige Tumoren haben eine gute bis sehr gute Prognose. Oft bilden sie sich im Laufe der Knochenentwicklung von selbst zurück. Bei bösartigen Tumoren hängt die Prognose von der Tumorart und Ausbreitung im Körper ab. Sofern sich noch keine Metastasen gebildet haben, überleben ca. 50 bis 80 Prozent der Betroffenen die ersten 5 Jahre nach Diagnosestellung. Hat der Tumor bereits gestreut, werden je nach Tumortyp 15 bis 50 Prozent der Betroffenen langfristig geheilt.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Frühzeitige Diagnose. Bei bösartigen Tumoren hängt die Prognose immer davon ab, wie weit sich der Tumor schon ins umliegende Gewebe und in andere Organe ausgebreitet hat. Seien Sie daher besonders achtsam, wenn Ihr Kind über Schmerzen klagt und keine Lust auf körperliche Bewegung hat. Auch bei Kindern sind Tumorerkrankungen keine Seltenheit. Daher sollte man hartnäckige oder wiederkehrende Schmerzen nicht einfach als Wachstumsschmerzen abtun.
Selbsthilfegruppen. Selbsthilfegruppen stehen Betroffenen und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Oft hilft es Krebs-Patient*innen besonders, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, weil diese die Einschränkungen, Belastungen und Begleiterscheinungen der Erkrankung am besten verstehen können.
Psychoonkologie. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Betroffene in allen Erkrankungsphasen. Sie klärt über Behandlungskomplikationen auf und gibt Tipps, wie sich diese vermeiden oder reduzieren lassen. Im Bedarfsfall kann über die Psychoonkologie auch eine psychotherapeutische Behandlung eingeleitet werden.
Komplementärmedizin
Mehr als 50 % aller Krebspatient*innen wenden irgendwann im Krankheitsverlauf alternativ- bzw. komplementärmedizinische Krebstherapien an, obwohl sie von den Krankenkassen bis auf wenige Ausnahmen nicht bezahlt werden.
Es spricht nichts dagegen, wenn Erkrankte als Ergänzung zur schulmedizinischen Behandlung ausprobieren, ob ihnen andere Therapien guttun. So kann beispielsweise die Akupunktur im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie und Palliativversorgung zur Schmerzbekämpfung beitragen und Übelkeit bei der Chemotherapie lindern.
Besonders gewarnt sei jedoch vor unrealistischen Versprechungen, z. B. dass die Behandlung völlig frei von Nebenwirkungen sei und die Krebserkrankung damit "in jedem Fall geheilt wird". Auch sollte eine schulmedizinische Behandlung niemals abgebrochen werden, um sich nur noch auf die Alternativmedizin zu verlassen.
Weiterführende Informationen
Quellen:
- Pschyrembel (2026) Knochentumor. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 13.10.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Knochentumor/K0BT5/doc/
- Amboss (2026) Maligne Knochen- und Knorpeltumoren. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 13.10.2026 unter https://next.amboss.com/de/article/HQ0Kxf?q=Knochentumoren
- Amboss (2026) Benigne Knochen- und Knorpeltumoren. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 13.10.2026 unter https://next.amboss.com/de/article/7Q04xf?q=knochentumoren
- UpToDate (2026) Bone tumors: Diagnosis and biopsy techniques. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 13.10.2026 unter https://www.uptodate.com/contents/bone-tumors-diagnosis-and-biopsy-techniques?search=Bone%20tumor&source=search_result&selectedTitle=1~150&usage_type=default&display_rank=1&searchCorrelationId=c9b53195-be52-4289-a67b-a210a6f84856&searchCorrelationTerm=Bone%20tumor
Osteomyelitis
Osteomyelitis (Knochenmarkinfektion): Akute oder chronische Infektion des Knochenmarks, meist auch des Knochens (Osteitis). Eine Sonderform ist die Infektion eines Wirbelkörpers (Spondylitis). Auslöser einer Osteomyelitis sind in den meisten Fällen Bakterien. Die Keime gelangen oft durch Unfälle (offene Brüche) oder Operationen in den Knochen, seltener durch Einschwemmung über den Blutweg oder von einem benachbarten Infektionsherd. Behandelt wird bei Erwachsenen fast immer operativ, bei Kindern meist konservativ mit hoch dosierten Antibiotika und Ruhigstellung. Wird zu spät behandelt oder schlägt die Therapie nicht ausreichend an, wird die Osteomyelitis oft chronisch, damit langwierig und nur noch schwer heilbar.
Symptome und Leitbeschwerden
- Akute Osteomyelitis bei Kindern: oft hohes Fieber, starke Schmerzen mit Schonhaltung, oft begrenzte Rötung und Schwellung
- Akute Osteomyelitis bei Erwachsenen: leichtes Fieber, mäßige bis starke Schmerzen mit Schonhaltung, eventuell leichte Rötung
- Chronische Osteomyelitis: nicht verheilende, oft schmerzlose Wunden in der Nähe des infizierten Knochens, oft mit wiederholter Ausscheidung von Eiter.
Wann in die Arztpraxis
Sofort
- bei Knochenschmerzen mit Fieber.
In den nächsten Tagen
- bei schlecht heilenden Wunden.
Die Erkrankung
Krankheitsentstehung
Der Knochen ist durch seinen hohen Anteil an anorganischem Material vergleichsweise schlecht durchblutet. Gelangen Bakterien bis zum Knochen vor, erschwert diese geringe Durchblutung die Abwehr durch das Immunsystem – die Bakterien können sich stark vermehren und eine Infektion entsteht. Infektionserreger sind meist Staphylokokken, seltener Streptokokken oder Enterobakterien – also Keime, die auf der Haut und im Darm der Menschen allgegenwärtig und in geringer Anzahl harmlos sind. Im Kindesalter gelangen die Bakterien meist auf dem Blutweg (hämatogen) in das Knochenmark, oft z. B. von einer Mittelohr- oder Mandelentzündung ausgehend. Betroffen sind häufig Oberschenkel- oder Schienbeinknochen. Bei Erwachsenen ist die direkte Infektion von außen weitaus häufiger.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Eintrittspforte für Bakterien sind in vielen Fällen offene Brüche, besonders am Unterschenkel, oder Operationen am Skelett. Auch umfangreiche Weichgewebeverletzungen, zum Beispiel nach einem Unfall, ermöglichen den Bakterien einen Weg zu den Knochen. Besonders gefährdet sind Patient*innen mit einer verminderten Immunabwehr, z. B. nach immunsuppressiver Therapie, bei Krebserkrankungen sowie bei verminderter Durchblutung, z. B. bei Arteriosklerose, Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen. Auch eine Mangelernährung schwächt die Immunabwehr. Besonders stark gefährdet sind Personen, die intravenös Drogen konsumieren. In diesem Fall kommen drei Risikofaktoren zusammen: eine geschwächte Abwehr, eine schlechte Durchblutung durch Vernarbungen im Gewebe und Bakterien, die durch unhygienisches Spritzbesteck direkt in den Körper gelangen.
Klinik, Verlauf und Komplikationen
Eine akute Osteomyelitis zeigt sich sehr deutlich, vor allem bei Kindern, mit Fieber, Schüttelfrost und einem allgemeinen Krankheitsgefühl. Der betroffene Knochen schmerzt bei Bewegung und auch in Ruhe. Das darübergelegene Gewebe kann berührungsempfindlich, gerötet und geschwollen sein.
Längerfristig kann es durch infektionsbedingte Blutgefäßverschlüsse zu Durchblutungsstörungen kommen, wodurch Teile des Knochengewebes absterben können. Die abgestorbenen Knochenteile (Sequester) werden dabei abgestoßen. Die akute Osteomyelitis wird chronisch. Dann stehen nicht mehr Entzündungserscheinungen oder Schmerzen im Vordergrund, sondern wiederkehrende, meist schmerzlose Fisteln – kleine Gänge von der Haut zum erkrankten Knochen, aus denen immer wieder Sekret und Eiter läuft.
Komplikationen: Ohne rechtzeitige Therapie kann sich die Infektion rasch ausbreiten, in benachbarte Gelenke einbrechen (Septische Arthritis) oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen. Bei der chronischen Osteomyelitis vermehrt sich das Bindegewebe stark. Dadurch wird der Knochen weniger elastisch und das Risiko von Knochenbrüchen steigt.
Diagnosesicherung
Die Ärzt*in lässt sich zunächst die Beschwerden genau beschreiben, fragt nach Vorerkrankungen und anderen Risikofaktoren und untersucht dann die Patient*innen gründlich. Ergibt sich der Verdacht einer Osteomyelitis, wird sie sofort eine Blutanalyse einleiten. Zeigt diese stark erhöhte Entzündungswerte, wird im Labor eine Blutkultur angelegt, mit der sich oft nach wenigen Tagen der verantwortliche Erreger bestimmen lässt. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine gezielte Antibiotikatherapie. Auf Röntgenbildern finden sich in den ersten 2 Wochen im betroffenen Knochen noch keine Veränderungen, später dann typische Zeichen wie Verkalkungen und Knochenhautablösungen. Eine der wichtigsten Untersuchungsmethoden ist heute die Magnetresonanztomografie mit Kontrastmitteln. Hier zeigen sich Schwellungen des Knochenmarks und Veränderungen des umgebenden Weichgewebes deutlich. Besteht der Verdacht, dass auch ein Gelenk beteiligt ist, kommt zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung zum Einsatz. Manchmal muss auch eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden, um eine endgültige Diagnose zu stellen und den verantwortlichen Erreger zu bestimmen.
Differenzialdiagnosen. Die umfangreiche Diagnostik ist notwendig, weil zahlreiche andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Hierzu gehören vor allem Knochentumoren, Knochenmetastasen, Knochennekrosen wie auch Gelenk-, Blutgefäß- und Weichgewebeentzündungen.
Behandlung
Konservative Therapie. Bereits beim bloßen Verdacht einer akuten Osteomyelitis wird eine antibiotische Therapie eingeleitet. Wenn der Erreger ermittelt ist, muss das Antibiotikum eventuell geändert oder ein zusätzliches Präparat gegeben werden, um sicher zu sein, dass es optimal gegen die Keime wirkt. Zusätzlich ist es eventuell erforderlich, mit einer Schiene oder einem Gipsverband das betroffene Körperteil für einige Wochen ruhigzustellen. Bei Kindern in einem frühen Erkrankungsstadium ist diese Behandlung oft ausreichend. Bei Erwachsenen und Kindern in einem späteren Stadium kann es aber nötig sein, den Infektionsherd operativ zu versorgen.
Operative Therapie. In einer Operation werden die erkrankten Knochenanteile und das infizierte Weichgewebe vollständig entfernt. Manchmal muss dann gesundes Knochengewebe (Spongiosaplastik) oder Muskelgewebe verpflanzt werden, um das entstandene "Loch" wieder aufzufüllen. Anschließend wird eine Drainage eingelegt, die das Operationsgebiet über mehrere Tage mit Kochsalzlösung spült. Säuglinge mit fortgeschrittener Osteomyelitis erhalten manchmal eine Spülung auch ohne vorangehende Operation, entweder über eine Drainage oder über ein Anstechen (Punktion) des Infektionsherds. Wenn die Keime über einen offenen Bruch an den Knochen gelangt sind, legt die Ärzt*in einen äußeren Spanner (Fixateur externe) an oder schient den Bruch mit einem Marknagel. Die Behandlung einer chronischen Osteomyelitis ist sehr schwierig. Oft bilden sich immer wieder neue Fisteln, über die Sekret und Eiter nach außen abfließt. Wenn sich eine Fistel von außen verschließt, sammelt sich der Eiter und verursacht einen Abszess. Auch wenn der infizierte Knochen entfernt wurde, müssen die Fisteln und Abszesse immer wieder operativ ausgeschnitten werden. Selbst eine antibiotische Langzeitbehandlung führt dann oft nicht zur langfristigen Heilung. Manchmal muss die betroffene Gliedmaße dann sogar amputiert werden.
Prognose
Im Kindesalter kommt es bei frühzeitiger Behandlung nur sehr selten zu einer chronischen Osteomyelitis. Auch bei Erwachsenen heilt eine akute Osteomyelitis bei rechtzeitiger Behandlung oft folgenlos. Wenn die Infektion behoben ist, regeneriert sich der Knochen auch bei großen Defekten meist sehr gut. Entwickelt sich jedoch eine chronische Osteomyelitis, kann sich die Erkrankung über Monate oder sogar Jahre hinziehen und eine Amputation erforderlich machen.
Ihre Apotheke empfiehlt
Was Sie selbst tun können
Ernährung. Eine Mangelernährung schadet auch der Infektionsabwehr. Achten Sie auf eine vollwertige, vitamin- und nährstoffreiche Kost mit viel Obst und Gemüse.
Mikronährstoffe. Insbesondere bei chronischem Krankheitsverlauf und bei zusätzlichen Vorerkrankungen kann es sinnvoll sein, die Abwehr mit Nahrungsergänzungsmitteln zu fördern. Infrage kommen z. B. Vitamin C und Zink sowie Vitamin D. Auch die Darmflora kann durch die Einnahme gezielter Mikronährstoffe, Präbiotika und Probiotika unterstützt werden. Sinnvoll ist das vor allem während und nach der Antibiotikaeinnahme. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke dazu beraten.
Rauchstopp. Verzichten Sie auf das Rauchen, da Nikotin die Durchblutung beeinträchtigt und somit die Heilung hemmt.
Komplementärmedizin
Bei chronischer Osteomyelitis kann begleitend zur schulmedizinischen Behandlung eine hyperbare Sauerstofftherapie eingesetzt werden. Durch den Sauerstoff wird das Gewebe mehr durchblutet. So kann die Infektion besser bekämpft und die Heilung und Knochenregeneration unterstützt werden. Die Wirksamkeit ist bislang nicht ausreichend mit Studien belegt, dennoch wird sie – besonders in schwierigen Fällen – von Fachärzt*innen empfohlen. Leider müssen die Kosten von den Patient*innen selbst getragen werden, da die Behandlung keine Kassenleistung ist.
Weiterführende Informationen
Quellen:
- Pschyrembel (2026) Osteomyelitis. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 03.06.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Osteomyelitis/K0FXD/doc/
- Amboss (2026) Osteomyelitis. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 03.06.2026 unter https://next.amboss.com/de/article/th0Xff?q=Osteomyelitis